'Civni' - Rubens® entstand 1985 in Italien aus einer Kreuzung 'Gala' x
'Elstar'. Züchter ist die CIV (= Consortio Italiano Vivaisti) ein Konsortium,
welches aus den Baumschulen Mazzoni, Salvi und Tagliani besteht. Die Sorte wird
seit 1997 unter ihrer Nummernbezeichnung VNI 185 am Kompetenzzentrum Gartenbau
Ahrweiler geprüft. Rubens' wächst anfangs mittelstark, beruhigt sich nach 2-3
Jahren und ergibt dann einen einfachen, ruhigen Baum mit guter Seitengarnierung
und leichter apikaler Dominanz, d. h. verhältnismässig schwachem Kopfwachstum.
Das Ertragspotential von 'Civni' (Rubens®) liegt nach den bisherigen
Erkenntnissen etwas unter dem der Sorte 'Gala', mit leichter Tendenz zur
Alternanz. Die Frucht ist (nur) mittelgross, meist vergleichbar mit der
Elternsorte 'Gala'. Auf einigen bevorzugten Standorten erreicht sie abhängig
vom Fruchtbehang ein etwas grösseres Kaliber. Die Früchte sind stielbauchig,
hochgebaut mit tiefer prägnanter Kelchgrube und berosteter Stielgrube.
Die Reife beginnt 7-10 Tage nach 'Gala', etwa ab Mitte September, der
Reifeverlauf ist sowohl innerhalb eines Baumes wie auch an den verschiedenen
Fruchtteilen (Vorder-, Rück-, Kelchseite) inhomogen. Die Ausbildung der roten
Deckfarbe setzt erst unmittelbar vor der Reife ein und erfolgt folgernd, aber
relativ sicher. Bereits bei Jungbäumen sind 2-3 Durchpflücken erforderlich. Die
letzte Pflücke weist dann relativ viele Früchte mit gelber Grundfarbe auf. Mit
zunehmendem Baumalter nimmt der Anteil nicht mehr (optimal) vermarktungsfähiger
Ware bei den letzten Durchpflücken sicherlich zu. Aufgrund dessen besitzt
'Civni' (Rubens®) kein wesentlich grösseres Erntefenster als 'Elstar'. Die
Intensität der Ausfärbung ist sehr stark vom Standort, insbesondere von den
Tag-Nacht-Temperaturunterschieden vor der Ernte, den Fruchtzuckergehalten und
der Lichtintensität (Hagelnetze) abhängig. Die Deckfarbe ist attraktiv hellrot,
flächig bis gestreift und erstreckt sich über 60-80 % der Fruchtoberfläche.
Charakteristisch ist die grüne tiefe Kelchgrube. Beim Geschmack vereinen sich
die positiven Eigenschaften der Elternsorten. Die Früchte schmecken ähnlich
süss, sind aber aromatischer als 'Gala', insgesamt fester und knackiger als
'Elstar'. Die Fruchtfleischfestigkeit von 'Civni' liegt zwischen diesen beiden
Elternsorten.
Geschmack
Bei den mittlerweile sehr zahlreichen Geschmacksbeurteilungen schnitt die Sorte
in nahezu allen Vergleichen insbesondere im Herbst hervorragend ab. Erste
grössere Verbrauchertests ergaben eine ausserordentlich hohe Akzeptanz. Im
Shelf-life-Vergleich mit 'Gala', 'Elstar' und 'Jonagold' am Kompetenzzentrum
Gartenbau zeigte 'Civni' den geringsten Fruchtfleischfestigkeitsabfall und die
höchste Geschmacksakzeptanz nach dreiwöchigem Testzeitraum unter
Zimmertemperatur. Sie fettete ähnlich gering nach wie die Elternsorte 'Gala'.
Nach 3-4 monatiger Lagerung ist die Sorte zwar immer noch ausreichend fest,
verliert aber an Aroma, was auf den kontinuierlichen Säureabbau zurückzuführen
ist. Trotzdem behält sie aufgrund ihres höheren Säuregehaltes einen Vorsprung
vor der Elternsorte 'Gala'. 'Civni' (Rubens') ist eine geschmacklich
hochinteressante Herbstsorte. Sie übertrifft in dieser Zeit die
Geschmacksqualität ihrer Eltern, insbesondere die der Sorte 'Gala'. Es ist zu
vermuten, dass die Akzeptanz der Sorte 'Civni' (Rubens®) zu Ungunsten der Sorte
'Gala' gehen wird. Bereits ab Januar/Februar wird 'Civni' nur aus ULO-Lagerung
akzeptable Geschmacksqualitäten garantieren können. Durch die optische
Verwandtschaft zu den Elternsorten besitzt 'Civni' (Rubens®) nicht unbedingt
eine eigenständige Sortenidentität, d. h. sie sieht aus Sicht der Verbraucher
den Sorten 'Elstar' und 'Gala' sehr, aber nicht unbedingt zum Verwechseln
ähnlich. Die spät einsetzende folgernde Deckfarbenausbildung und gleichzeitig
relativ schnelle Abreife führt zu einem wachsenden Prozentsatz an Früchten mit
zu gelber Grundfarbe, die nicht mehr (optimal) vermarktungsfähig sind. Im
Vergleich zu aktuellen 'Gala'- und 'Elstar'-Mutanten ist diese Eigenschaft
sicherlich ein deutliches Manko, insbesondere bei der Produktion unter
Hagelnetzen. Ein weiterer nicht unerheblicher Nachteil ist die relativ hohe
Anfälligkeit für Obstbaumkrebs, Blatt- und Fruchtschorf, die in etwa auf dem
Niveau von 'Gala' liegt. Auch gegen Mehltau ist 'Civni' (Rubens®)
verhältnismässig anfällig.
Die Früchte vertragen keine starken Wachstumsschübe. Jungfrüchte reissen leicht
in der Kelchgrube, einhergehend mit Kelchfäuleinfektionen. Starke Niederschläge
können selbst im August noch Früchte zum Platzen bringen, ein Aufplatzen wurde
auch bei Überreife beobachtet. In manchen Jahren können so erhebliche
Ernteausfälle verursacht werden. Im Hitzesommer 2003 wurden zahlreiche Früchte
durch Sonnenbrand geschädigt. In einigen Fällen wurde darüber hinaus ein
erheblicher Vorerntefruchtfall festgestellt. Früchte von Jungbäumen weisen
manchmal eine nicht allzu attraktive Orangenhaut auf. Die Sorte 'Civni'
(Rubens®) hat zusammengefasst einen höheren Verbrauchswert als 'Gala',
allerdings einen geringeren Anbauwert als diese und steht den Elternsorten vom
Aussehen sehr nahe. Insofern bleibt abzuwarten, ob sie im Anbau und am Markt
den Durchbruch schafft. Mittlerweile stehen einige zehntausend Versuchsbäume in
ganz Europa. Die Sorte soll als Clubsorte vermarktet werden. Der erste Kontrakt
wurde 2002 mit der ?Elbe-Obst" geschlossen, allerdings liegen noch keine
Anbauverträge bzw. sonstige Informationen über Hektar- oder kg-Abgaben vor.
|