In der Genbank Obst Dresden-Pillnitz steht die grösste Wildapfel-Sammlung
Europas. Je nach Einteilung werden weltweit 30-35 Apfel-Wildarten
unterschieden. Die meisten dieser Arten werden in etwa 350 Formen aus der
ganzen Welt in der Genbank-Obst erhalten. Apfel-Wildarten sind meistens nicht
zum Verzehr geeignet, es befinden sich jedoch darunter viele Zier-Formen und
Arten, die als Ausgangsmaterial für die Apfelzüchtung geeignet sind. In Asien
werden verschiedene Arten als Veredlungs-Unterlagen genutzt.
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| Resistenzzüchtung |
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Seit ca. 25 Jahren sind Apfel-Neuzüchtungen auf dem Markt, die Resistenzen
gegen Schorf und z. T. auch gegen andere Krankheiten aufweisen. Diese
resistente Sorten entstanden fast alle aus Kreuzungen mit Malus floribunda,
einem reichblühenden, kleinfrüchtigen Apfel aus Ostasien. Aufgrund der
Kleinfrüchtigkeit (Fruchtdurchmesser ca. 12 mm) waren viele Kreuzungsschritte
nötig, um grossfrüchtige, wohlschmeckende Apfelsorten mit guten
Resistenzeigenschaften zu erhalten. In Deutschland wurden die ersten Kreuzungen
schon vor dem Zweiten Weltkrieg begonnen, und die ersten Sorten daraus wurden
vor etwa 15 Jahren zum Sortenschutz angemeldet. In einigen Fällen hat sich der
Schorfpilz aber an diese Resistenz schon angepasst und kann auch solche Sorten
befallen. Daher sind in der Züchtung seit längerer Zeit Anstrengungen
unternommen worden, neue Wildarten als Resistenzquellen einzukreuzen.
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| Resistenzbewertung |
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Die bisher verwendeten Arten stammen aus einem begrenzten Kreis teilweise
miteinander verwandter Arten. In der Genbank Obst stehen wesentlich mehr
Apfel-Arten, die hierzu genutzt werden könnten. Dazu wurden in den letzten
Jahren ausführliche Resistenzuntersuchungen durchgeführt. Die Bäume wurden ohne
Fungizid-Behandlung kultiviert und es wurde über mehrere Jahre deren Befall von
Schorf und Mehltau bewertet. Es stellte sich dabei heraus, dass von etwa 270
untersuchten Formen die Hälfte eine gewisse Resistenz gegen Mehltau oder Schorf
aufwiesen. Wird nur eine Krankheit in Betracht gezogen, sind etwa ein Drittel
widerstandsfähig gegen Schorf oder Mehltau, das heisst, dass sie nur sporadisch
und nur geringe Symptome aufweisen. Werden die Bäume gezählt, die gleichzeitig
gegen Schorf und Mehltau nur gering anfällig sind, kommt man immer noch auf
etwa ein Fünftel des Bestandes. Darunter sind 4 % (11 Formen), die über den
gesamten Beobachtungszeitraum noch nie Symptome von Schorf oder Mehltau
aufwiesen. Gewächshaustests mit Feuerbrand haben ergeben, dass besonders Malus
fusca hochgradig resistent gegen diese Bakterienkrankheit ist. Da er kaum
Früchte trägt, wurde er bisher noch nie in den Kulturapfel. eingekreuzt.
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| Neue Resistenzquellen genutzt |
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Mehrere resistente Wildarten wurden bisher noch nie in der Züchtung verwendet
und sie sind auch mit den genutzten Arten kaum verwandt. Somit ist die
Wahrscheinlichkeit relativ gross, dass hier andere, neue Resistenzen vorliegen.
Erste molekulargenetische Untersuchungen haben dies weiter bestätigt. Bei
ersten Testkreuzungen ist es gelungen, diese Arten mit neuen Resistenzquellen
auch mit Kulturäpfeln zu kreuzen, was normalerweise bei dem geringen
Verwandtschaftsgrad nur schwer möglich ist. Die Nachkommenschaften werden nun
ebenfalls auf ihr Resistenzverhalten geprüft, um dann den Züchtern geeignete
Kreuzungspartner empfehlen zu können. Bis daraus jedoch neue Sorten entstehen,
vergehen noch Jahrzehnte. Dies zeigt, dass eine breit angelegte Genbankarbeit
eine wichtige und lohnende Investition in die Zukunft ist, die sich oft erst
für kommende Generationen auszahlen wird.
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Vergleich der Fruchtgrössen zwischen verschie-
denen resistenten Wildäpfeln und Kulturapfelsorten.

Grössenvergleich von kleinfrüchtigen, resistenten
'M. hupehensis' (Fruchtdolde oben links) mit ver-
schiedenen Hybriden zwischen 'M. Hupenhensis'
und Kulturapfel.

'Malus floribunda' aus Ostasien wurde häufig als Resistenzquelle gegen Schorf
benutzt.

Früchte von 'Malus fusca' von der Westküste Nord-
amerikas, der absolut resistent gegen Feuerbrand ist.

'Malus trilobata' aus dem östlichen Mittelmeerraum hatte noch nie Schorf oder
Mehltau. |