'FAW 5878' (Diwa®) entstand an der Forschungsanstalt Wädenswil aus einer
Kreuzung aus ('ldared' x 'Maigold') x 'Elstar'. Sie wird seit einigen Jahren am
Kompetenzzentrum Gartenbau in Ahrweiler geprüft. 'FAW 5878' hat unter dieser
Züchtungsnummer den Sortenschutz erhalten. Im Herbst 2002 bekam sie den in der
Schweiz geschützten Markennamen Diwa®. Mit der Veräusserung der Generallizenz
bzw. der Vermarktungsrechte wird die Sorte aller Vorrausicht nach demnächst
einen neuen Markennamen erhalten. Die Vermarktungsrechte für Frankreich besitzt
Mondial Fruit, in Italien die KSB (= Konsortium Südtiroler Baumschulen), in den
Niederlanden die KSB bzw. das Sortenkonsortium Inova und in Deutschland die
Artus-Group.
Die Bäume wachsen mittelstark, dabei schwächer als 'Elstar', und verzweigen
sich gut. Das Kopfwachstum ist bei weitem nicht so stark wie bei der
Elternsorte 'Elstar'. Das Ertragspotential von 'FAW 5878' liegt wegen einer
geringeren Alternanzneigung leicht über dem von 'Elstar'. Die Früchte von 'FAW
5878' (Diwa0.) sind allerdings nur klein bis mittelgross und erreichen bei
vollem Baumbehang maximal die Durchschnittsgrösse von 'Elstar'. Sie sind
rundlich, flach gebaut, regelmässig, mit sehr kurzem Stiel. Die
Fruchtoberfläche kann etwas uneben sein, zeigt auffällig hervorgehobene
Lentizellen, wird kaum fettig und neigt sehr viel weniger zur Berostung als die
von 'Elstar'. Die Reife beginnt knapp eine Woche vor 'Golden Delicious', Ende
September/Anfang Oktober. Der optimale Streifwert liegt zwischen 0,08 und 0,10.
'FAW 5878' reift mit den inneren und äusseren Fruchtmerkmalen relativ langsam,
d. h. die Sorte hat ein deutlich grösseres Erntefenster als 'Elstar'. Die
Fruchtfleischfestigkeitswerte liegen zur Reife mit 8,5 bis 10 kg/cm',
mindestens 1 kg/cm² höher als die von 'Elstar' und fallen anschliessend flacher
und langsamer ab als die der Elternsorte. Die Säure- und Zuckerwerte der
Früchte liegen auf Niveau von 'Elstar'. Zur Ernte sind die Früchte zu 60-80 %
leuchtendrot (hellrot)-dunkel (-violett) rot gefärbt. Die Färbung setzt sicher,
aber etwas folgernd ein. Etwas zu früh gepflückte Früchte erreichen nicht ganz
die optimale Geschmacksqualität und Festigkeit sind aber optisch sehr
attraktiv. Zu spät gepflückte Früchte besitzen nicht selten eine unattraktive
dunkelviolette Deckfarbe. Mit zunehmendem Baumalter sind zwei Pflückgänge im
Bereich des o. a. Streifmdexbereiches erforderlich, währenddessen beim
Farbwechsel von hellrot auf rot geerntet werden sollte. Der Geschmack von 'FAW
5878' ist bereits zur Ernte gut, süss-säuerlich aromatisch und erinnert
durchaus an 'Elstar', wobei die Fruchtschale etwas zäher erscheint. Die Früchte
sind im Vergleich zu 'Elstar' zur Reife und im Verlauf der Lagerung und
Nachlagerung fester bei fast ebenbürtigem Aroma. Deshalb schnitt 'FAW 5878' in
den zurückliegenden Jahren bei fast allen Geschmacksbeurteilungen und
Verbrauchertests vor allem nach längerer Lagerung und während des Shelf-life
besser ab als 'Elstar'. Die Sorte besitzt sehr gute Lagereigenschaften. Sie
lässt sich bei 1 °C um einige Monate länger lagern als 'Elstar' und sinkt im
Verlauf einer normalen Nachlagerungsphase selten unter eine
Fruchtfleischfestigkeit von 5,5 kg/cm² ab. Ein im Herbst 2003 am
Kompetenzzentrum durchgeführter Shelf-life-Test verdeutlicht diese Eigenschaft,
obwohl die Sorte 2003 etwas weicher war als in den beiden Jahren zuvor. Selbst
bei höheren Lagertemperaturen (4 °C) wurde nach Aussage des Züchters auch nach
300 Tagen noch eine durchschnittliche Fruchtfleischfestigkeit von 5,5 kg/cm²
festgestellt. 'FAW 5878' bekommt im Lager weniger Schalenflecken als 'Elstar',
ist aber etwas anfällig für Lagerstippe, was auf die Elternsorte 'Maigold'
zurückzuführen ist. Die Sorte ist darüber hinaus etwas mehltauanfällig, aber
ähnlich wie 'Elstar' nur mässig anfällig für Schorf- und Obstbaumkrebs.
Die weiteren produktionstechnischen Eigenschaften sind noch nicht ausreichend
bekannt. 'FAW 5878' besitzt aufgrund ihrer optischen Ähnlichkeit zur
Elternsorte 'Elstar' keine eigene Sortenidentität. 'FAW 5878' (Diwa®) soll als
Clubsorte bewirtschaftet werden. Der Hauptinitiator ist hier wohl das
niederländische Sortenkonsortium Inova, die 'FAW 5878' möglicherweise im
Absatzsegment 'Elstar' platzieren will. Daraufhin hat sich auch die deutsche
Artus-Group entschlossen, die Sorte als Clubsorte zu vermarkten. Ein
entsprechendes Angebot wurde den deutschen Erzeugergenossenschaften im November
2003 unterbreitet. Es beinhaltet eine erhöhte Lizenzgebühr pro Baum, die
Forderung nach einer Mindestanbaufläche pro Erzeugergemeinschaft, eine
einmalige Flächeneinstandsgebühr sowie eine Abgabe pro kg Frucht zur Deckung
der Marketing- und Kontrollkosten. Es bleibt abzuwarten, ob 'FAW 5878' auf
diesem Weg den Durchbruch schafft. Allerdings sieht sie 'Elstar' vielleicht
(zu) ähnlich, um als eigenständige Sorte im bundesdeutschen LEH einen
Zusatzerlös gegenüber der Elternsorte erzielen zu können. Ihr Marktwert ist
aufgrund der vorzüglichen Fruchteigenschaften zwar besser, ihr Anbauwert ist
aber wegen der Fruchtgrössenproblematik nicht höher als der von 'Elstar'.
Zurzeit befinden sich einige tausend Bäume im versuchsweisen Anbau. Die
Artus-Group stellt weiterhin interessierten Genossenschaften Versuchsbäume zur
Verfügung.
|